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Veränderung braucht Zeit

Das Erlernen von Neuem schlägt sich neurobiologisch nieder in neuen Verknüpfungsmustern von Neuronenverbänden. Bei Vorsätzen jedoch geht es in aller Regel um ein Umlernen. Neurobiologisch setzt dies zwei Prozesse voraus: ein Entknüpfen und ein Neuknüpfen neuronaler Systeme. Umlernen ist demnach ein komplexerer Prozess als Neulernen. Stress wirkt sich negativ auf beides aus, da die Aktivität des Präfrontalcortex gedrosselt wird und somit kognitive Kontrollfunktionen und Lernprozesse gehemmt werden.

Praxis: Die wichtigste Konsequenz dieser Erkenntnisse ist:

 

Haben Sie Geduld mit sich selbst! Beziehungsweise, wenn es um darum geht, dass Sie möchten, dass andere ihr Verhalten ändern sollen: Haben Sie Geduld mit anderen! Denn erstens dauert eine Umgewöhnung auf Grund der umfangreicheren neuronalen Umbaumaßnahmen häufig länger als erwartet, und zweitens ist eine entspannte Grundeinstellung hilfreicher als eine zu ehrgeizige. Disziplin, also die kognitive Oberkontrolle über das eigene Denken und Handeln, ist für Umgewöhnungsprozesse dringend notwendig. Fällt diese stressbedingt aus, fällt man wesentlich häufiger wieder zurück in alte Gewohnheitsmuster und es entsteht ein Teufelskreis: Man ärgert sich über seinen Rückschlag, macht sich noch mehr Stress und verliert dadurch noch mehr an Kontrolle, wodurch der nächste Rückfall nahezu vorprogrammiert ist. Disziplin funktioniert in einer entspannten Rahmensituation wesentlich besser als in Stresssituationen.